694222_web_R_by_ruemue_pixelio.de

Abitursaufgabe Essay

Bild: ruemue/pixelio.de

Gastbeitrag von Dr. Matthias Kirchhoff.

Die neue Deutsch-Abitur-Aufgabe ‘Essay’ stellt Schüler wie Lehrer vor eine große Herausforderung: Wie schreibt man solch einen ‘Gedankenspaziergang’, wie bewertet man ihn, gibt es nicht sicherere oder bessere Varianten, um an eine gute Note zu kommen?
Der aufopferungsvolle Deutschlehrer Dr. Matthias Kirchhoff (39) hat deshalb einen Essay über das Essayschreiben verfasst, der seinen Abiturienten einen Vorschlag machen will, wie solch ein Text aussehen könnte. Der Schüler soll – wie jeder Leser eines Essays – also zum schmunzelnden Nachdenken über das behandelte Thema angeregt werden. Sollten die Oberstufenschüler dies für ihre Abi-Vorbereitung annehmen, könnte an dieser Stelle vielleicht bald auch ein Essay anderer MBS-Deutschlehrer stehen.

 

Versuche über Versuche: Da gibt es ein Kultusministerium, das versucht, im Zuge von G8 straffer, zeitsparender und wirtschaftskompatibler als bisher Zugangsberechtigungen für den weiteren akademischen Werdegang zu verteilen; dieses Ministerium versucht zugleich, die nunmehr abgeschaffte kreative Deutschabituraufgabe namens „gestaltende Interpretation“ durch die deutlich anspruchsvollere kreative Anforderung „Essay“ (zu deutsch: „Versuch“) zu ersetzen. Das wirft Fragen auf: Ob sich die Schüler tatsächlich auf den noch unbekannten, allen festen Normen programmatisch hohnsprechenden „Gedankenspaziergang“ machen werden? Ob ausgerechnet eine Abiturprüfung der rechte Rahmen ist, provokante, freizügige, gewagte Gedanken zu äußern, während im Hintergrund mindestens ein Prüfer so mächtig und unbekannt ist und bleibt wie der „Big Brother“ aus Orwells berühmten Roman? Ob die Schüler um diese kreative Aufgabe nicht einfach einen nüchtern-sachlichen Bogen machen? All das weiß man (noch) nicht.

Es kommt eben auf einen Essay (zu deutsch: „Versuch“) an. Und die diesjährigen Abiturienten sind die notwendigen Karnickel dafür.

Schauen wir – Schicksalsgemeinschaft aus gewissensgeplagtem Deutsch-Abiturlehrer und irritierten Abiturienten – uns also versuchsweise einmal an, was uns zu einem intellektuellen Schlendern aus den bewährten (oder: bewehrten?) Mauern unserer sonstigen espritfreien Deutschaufgaben herauslocken will.

Ein Metaversuch also, Versuch über den Versuch. Die flanierende Annäherung an einen Spaziergang, wenn das überhaupt geht. Ach nein, ich vergaß: Es muss gar nicht gehen, es muss bloß versucht werden. Auch wenn man nicht einmal recht weiß, was „versuchen“ eigentlich heißen soll. Selbst, wenn man Lehrer ist und damit Autorität.

Schuhe an und losspaziert!

Nun, Versuche gibt es vielerlei, und dabei ganz unterschiedlicher Art; alle werden wir natürlich nicht abgreifen können, denn wir müssen ja unbedingt locker schlendern und meiden damit die Versuchungen der Systematik.

Zunächst ist der Versuch eine zentrale Methode aller empiriebasierten Wissenschaft, einfach übersetzt: All dessen, was mit Erfahrung und nicht mit Logik argumentiert. Trial and error heißt dabei ein Prinzip, noch verbreiteter ist freilich der Trial ohne Error, wenn sich das Erprobte nämlich in bekannter, langerprobter Bahn bewegt. Vor allem in der Schule müssen die Versuche klappen, sonst sieht der Lehrer dumm aus. Dem Verfasser ist dies noch aus den frühen 90er Jahren in leidvoller Erinnerung: Nun ist man schon einmal jung, findet er damals, und muss seine Lebenszeit dennoch darauf versch… äh… verwenden, ergrauten Physiklehrern Interesse daran vorheucheln, dass sie zum gewiss tausendsten Mal mit einem Plastikstab an einem Katzenfell herumwienern und danach irgendetwas messen, was sie eh schon vorhersagen können. Psychoanalytisch betrachtet ist die Sache sowieso höchstverdächtig, physikalisch ermöglicht sie hingegen unumstößliche Rückschlüsse, „Beweise“ genannt. Man hat etwas versucht, und das Ergebnis steht scheinbar unanfechtbar vor Augen – man weiß es nun, weil es be-wiesen wurde, beide Begriffe gehen auf lateinisch „videre“, „sehen“ zurück. Dass es mit dem Beweisen so einfach dann doch nicht ist, wird man übrigens erst viele Jahre später von den Philosophen Popper und Kuhn erfahren, aber die haben meist Schulverbot…

Eine ganz andere Form des Versuchs ist die des ungewissen Anstrebens gegen etwas Missliches. Dies ist gegenüber dem empirischen Beweis womöglich die schülernähere Variante: Der Lehrer versucht, seinen ach so bornierten Eleven trotz allem die Anfangsgründe von Textverständnis und Rechtschreibung nahezubringen, und der Schüler versucht früher oder später, trotz allem den fremdverordneten Normen der ach so bösen Erwachsenengesellschaft zu entsprechen. Der Versuch, gegen das drohende Unheil anzugehen, ist dabei jedenfalls gesellschaftlich gefordert, auf allen Ebenen und Feldern: Die Mindestanforderung an eine Fußballmannschaft lautet z.B. „kämpfen“, und das heißt doch wohl: „alles versuchen“ – selbst (oder gerade) wenn der SV Vaihingen gegen die Selecao das erwähnte Feld betritt. Zudem kennt man die Fabel von den zwei Fröschen, die in einen Milcheimer mit hoher Kante fallen. Der eine sagt: „Hier komme ich eh nie heraus!“, gibt auf und ersäuft. Der andere spricht hingegen: „Ich werde hier zwar wohl nie herauskommen (und also ersaufen), aber ich will es wenigstens versuchen!“ Und er strampelt und strampelt und strampelt, bis die Milch unter ihm zu Butter geworden ist und er aus dem Eimer hüpfen kann.

Never give up! Keep on trying! Auch Floskeln fordern das Versuchen!

Dass dabei der Versuch, das Unheil zu vermeiden, ebendieses Unheil erst vollziehen hilft, besingen seit 2500 Jahren die Griechen – genauer und böse gesagt: die echten, alten Griechen ohne Gyros, Nana Mouskouri und Europleite. Diejenigen, die es wirtschaftlich, kulturell und womöglich auch kulinarisch nicht bloß versucht haben. Der antike Ödipus versucht zum Beispiel, seinem prophezeiten Schicksal zu entkommen, und vermasselt es dadurch erst. Wäre er hingegen ganz modern pleite auf der schon gepfändeten Couch geblieben, hätte Costa Cordalis gelauscht und fettiges Moussaka gemampft, statt wider Willen den Vater zu töten und die Mutter dranzunehmen, dann wäre er um ein paar unerfreuliche Erfahrungen ärmer geblieben – und wir um ein Stück Weltliteratur.

Tragik nennt man übrigens dieses Prinzip.

Manche Versuche sollte man vielleicht auch bleibenlassen, scheint’s!

Etwas noch einmal Anderes ist das Kokettieren mit der eigenen Unfähigkeit, sei’s aus Sicherheitsgründen oder als fishing for compliments; eine Haltung, die sich leichthin durch den Begriff des Versuchens tarnen lässt. Offen gesprochen ist dies der Ursprung des Essays (zu deutsch: „Versuch“), mit dem wir uns hier und heute abplacken. Ein gewisser Monsieur Michel de Montaigne versuchte sich im 16. Jahrhundert daran, die dogmatischen Lehrmeinungen von Kirche und Staat dadurch zu untergraben, dass er besonders lose gefügte, formoffene, assoziationsreiche Gedankenstücke montierte – „Essais“ (zu deutsch: „Versuche“), bloße Probierstückchen. Wie sollte solch scheinbar loses Flickwerk schon die fest stehenden Lehrgebilde bedrohen, mochte man denken – bätsch, und schon stellte die faszinierende Leichtigkeit des souveränen Flaneurs die schweren Gedankengebäude der alten Autoritäten bloß. Nicht minder wirksam operierte Montaigne damit als die Philosophenkollegen Sokrates oder Giordano Bruno – mit dem gewissen Unterschied, dass er dafür nicht hingerichtet wurde.

Der Versuch als Lebensretter also, allerhand (Gilt das auch für’s Abitur?)!

Dann dient das Versuchen auch wieder als offenkundig gespielte Bescheidenheit – und damit dem ungeschickt verborgenen und dadurch erst ent-deckten Eigenlob: Willy Brandt, ein dem Abiturienten geläufiger ehemaliger Bundeskanzler, antwortete z.B. auf die (durchaus kecke) Journalistenfrage, was denn einmal auf seinem Grabstein stehen solle, mit „Man hat sich bemüht“ („bemühen“ heißt auch „versuchen“, s.o.). Was wollte Willy damit sagen, etwa: „Ich habe in meinem Leben Frauen betrogen, gesoffen und bin wegen einer Nichtigkeit zurückgetreten, aber meine Absichten waren o.k.“? Oder eher: „Ich war Widerstandskämpfer gegen die Nazis, habe eine Konfettiparade in New York und nebenbei den Friedensnobelpreis bekommen, alle Sozis lieben mich und außerdem bin ich noch sau-bescheiden!“

Hmm, schwer zu entscheiden!

Zuletzt vielleicht ein Blick auf das Wort „Versuch“ als solches, tief hinein in die Begriffsgeschichte des Mittelalters; dem Altgermanisten in mir sei’s gestattet: Das so genannte schwache Verb „ver-suochen“ bedeutet laut Fachwörterbuch Lexer für unsere Kulturvorfahren vor allem: „zu erfahren, kennen zu lernen suchen, forschen nach, prüfen, auf die Probe stellen; zu erlangen oder zu tun suchen“, aber auch „verhören“, „in Versuchung führen“ oder schließlich „sich suchend verirren“. Wissensdrang und Erkenntnisstreben auf der einen Seite, polizeiliche Autorität, teuflische Lockung und Verirrung auf der anderen. Das Ver-suchen grenzt an die Ver-suchung finsterer Mächte, außerdem an die Heim-suchung durch Plagen oder einen Engel und an den Be-such der Oma, vielleicht auch der Ordnungshüter. Wenn man etwas sucht, kann man sich auch ver-suchen, also im Wald verirren. So wurde das Wort schon vor über 800 Jahren im Roman „Tristan“ verwendet. Erkenntnissuche und Scheitern liegen bereits im Begriff beieinander. Das ist an sich zwar eben keine große Erkenntnis – aber für Schüler, denen man vermutlich immer noch mit Plastikstäben und Katzenfellen etwas scheinbar Bewiesenes vorrubbelt, vielleicht doch.

Bis heute liegen Versuch und Scheitern eben nicht nur nah beieinander („Trial and error“), sondern passen in ein einziges kleines Wörtchen: „Nice try“, sagen die Amerikaner. Das klingt hübsch: Ein „netter Versuch!“ eben, könnte man meinen, und damit ein Lob. Tatsächlich heißt es aber höhnisch: „Boah, wie schlecht, untauglicher Versuch!“. Gelingen und Scheitern teilen sich die drei Buchstaben T, R und Y.

 

Versuchen kann also Beweiskraft vorgaukeln, Gesellschaftsnorm sein, Tragik mit sich führen, Leben retten und Imagepflege bewirken. Es bedeutet Wissensstreben, Prüfen und Verirren. Überall säumt den Spaziergang des Versuchens das Scheitern, und fix ist nix!

Ob das eine geeignete Abituraufgabe für Sie sein mag, liebe Schüler?

Nun, vermutlich eine zeitgemäße, und dazu eine Ihrer Lebenssituation durchaus angemessene: Die Zeit der festen Vorgaben, welche zum vorgebahnten Noten-Erfolg führen, enden allmählich. Außerdem sind wir in der Postmoderne: Alles war irgendwie schon einmal da, wird daher auseinandergenommen und versuchsweise wieder zusammengepuzzelt. Alle Normen, Werte, Ideologien stehen auf dem Prüfstand, und das einzig Sichere an Ihrer Zukunft ist, dass niemand mehr Ihre Rente zahlt. Noch dazu leben wir im Bloggerzeitalter, in dem jeder hyperaktive Schwachmat mit oder ohne Zahnspange in die Tastatur greift und egozentrische Nichtigkeiten publiziert, um sich als geistreich und eloquent dazustellen. So, wie auch ich es gerade versuche…

Ihr Leben, liebe Schüler, gleicht also vielleicht weniger einem Traum, wie es im bekannten Schauspiel eines spanischen Barockdichters heißt, sondern einem Essay (zu deutsch: „Versuch“). Sie können es ja schon einmal im Abitur ausprobieren. Vermutlich schreibe ich Ihnen dann „Nice try“ darunter, im einen oder anderen Sinne.

Und falls wir Ihr diesjähriges Abitur wegen dieses Versuchs beerdigen müssen und Sie sich im nächsten Schuljahr neu versuchen, können Sie ja – frei nach Willy Brandt – auf den Grabstein schreiben: „Man hat’s versucht“!

485ad5c7.l

Unter die Haut

Von Anok Wahl.

Man hat ein seltsames Gefühl, wenn man die Treppe in die dunkle Ausstellungshalle hinuntergeht. Was erwartet einen hinter der Ecke? Es sind nur gurgelnde Meeresgeräusche zu hören. Dann: ein löchriger roter Hai schaut einem mit toten Augen entgegen.

Wir sind in der Ausstellung “Körperwelten der Tiere“ angekommen. Der löchrige Hai ist ein sogenanntes Plastinat, welches Herr Gunther von Hagen mit seinem Team in mühevoller, langwieriger Kleinstarbeit „kreiert“ hat. Er hat ein Mittel erfunden, das man in die Blutgefäße toter Lebewesen injiziert, um die Gefäße hart und rot zu machen. Danach wird mechanisch und chemisch der Rest des Körpers entfernt und übrig bleibt die „Gefäßgestalt“ eines Körpers. Das sieht sehr beeindruckend aus. Plastisch ist zu erkennen, wie fein verästelt und weitverzweigt unsere Körper durchblutet sind. Würde man alle Blutgefäße des Menschen aneinander reihen, so ginge dies zweieinhalbmal um die Erde!

Doch auch Skelette, Muskulatur, Sehnen, Organe und drei Millimeter dicke Körperquerschnitte stellt er als Plastinate dar. Diese sind fest in der Form und geruchlos. Der Weg durch die Ausstellung ist wie eine „anatomische Safari“ (Zitat von Hagen).

Man sieht ganzen Tieren unter die Haut, sieht in das Innere von „gewöhnlichen“ Fischen, Fröschen, Hühnern, Hasen, Ziegen und Pferden mit Fohlen, doch auch ein Bär, ein Gorilla, ein Kamel mit seinem Baby und ein Strauss geben beeindruckende Einblicke in ihr Inneres.

Neben der riesigen Giraffe und der mächtigen Elefantenkuh wird man sich ihrer Größe erst bewusst. Man staunt still.

Von Hagen möchte mit seiner ästhetischen Darstellung des Körperinneren auch den Respekt vor der Natur und dem Leben verstärken. Er erklärt, alle Tiere der Ausstellung seien eines natürlichen Todes gestorben und ihm von verschiedenen zoologischen Gärten gespendet worden.

An der Elefantenkuh arbeitete er mit seinem Team ganze 64.000 Stunden. Um das 6×3.50m große Tier „wiederauferstehen zu lassen“ (von Hagen) brauchte es außerdem vier Tonnen Silikon und 40.000 Liter Azeton. Für das Plastinat eines Menschen braucht er dagegen „nur“ 1500 Arbeitsstunden. In seiner ersten Ausstellung „Körperwelten“ zeigte er viele sehr lebendig wirkende Menschen bei verschiedensten Tätigkeiten. Diese Ausstellung war jahrelang aus ethischen Gründen sehr umstritten. Man fragte sich auch ob die Menschen so überhaupt ausgestellt werden wollten und was die tiefere Motivation von Hagen’s sein könnte. Trotzdem gibt die Ausstellung sehr interessante und bewegende Einblicke auf das Leben.

Wer kein wirkliches Interesse hat, oder sich vor Fleisch und toten Tieren besonders ekelt, sollte sich diese Ausstellung vielleicht besser nicht antun.

Für alle anderen ist es sicherlich eine Bereicherung!

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 18. September in der MHP-Arena Ludwigsburg, direkt an der S-Bahn Haltestelle Bahnhof.

Unter der Woche am Montag – Freitag von 9:00 bis 19:00 Uhr, Samstag und Sonntag von 10:00 bis 19:00 Uhr.

Bis 18 Jahre zahlt man 9€, Erwachsene 15€.

 

Foto: Anouk Wahl.

 

Deutschlandflagge by_Andrea Damm_pixelio.de

Und schon wieder im Halbfinale!

Von Raphael Dabbert.

Geschafft! Deutschland steht im Halbfinale gegen  Brasilien. Die deutsche Nationalmannschaft hat am Freitag ihren ersten Sieg im legendären Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro gefeiert. Dieser Erfolg folgte dem 2:1 Sieg gegen Algerien im Achtelfinale, in dem die deutsche Mannschaft erst am Ende der zweiten Halbzeit überzeugen konnte und in die Verlängerung musste. In diesem Spiel legte der deutsche Torhüter Manuel Neuer mit einer überragenden Leistung als elfter Feldspieler die Grundlage für den Sieg. Leider waren die deutschen Angriffe erst ab Ende der zweiten Halbzeit überzeugend, so ging es dann in die Verlängerung.  In der 92. Minute konnte Andre Schürrle das 1:0 erzielen. Danach erzielte Özil in der 120. Minute das vorentscheidende 2:0, das 1:2 von Algerien in der Nachspiel-Zeit war dann nicht mehr wichtig. Durch diesen Sieg konnte man sich im Viertelfinale auf Frankreich freuen.

Als dann am Freitagabend das Viertelfinale zwischen Frankreich und Deutschland in Rio de Janeiro stattfand, reichte Deutschland für den Sieg ein Freistoß in der 13. Minute, ausgeführt von Kroos, der eine Flanke auf Hummels zog. Dieser konnte dann einen Kopfball unhaltbar unter die Latte setzen. Hummels spielte auch in der Defensive sehr gut und wurde daher zum Spieler des Spiels gewählt. Auch Neuer hielt wieder sehr stark. Deutschland kann sich so im Halbfinale auf das Gastgeberland Brasilien freuen. Die Brasilianer mussten im Viertelfinale gegen Kolumbien spielen, und konnten die Partie mit 2:1 gewinnen.  Es war ein sehr hartes Spiel, mit vielen Fouls und einem eher schwachen Schiedsrichter. Mitverursacht durch die schwache Leistung des Schiedsrichters müssen die Brasilianer ab jetzt auf ihren Superstar Neymar verzichten. Dieser bekam das Knie eines Kolumbianers in den Rücken. Dies ungeahndete Foulspiel führte zu einem Wirbelbruch bei Neymar. Zudem ist  der Kapitän von Brasilien Thiago Silva für das Halbfinale gegen Deutschland gelbgesperrt.

Das zweite Halbfinale findet zwischen den Niederlanden und Argentinien statt. Argentinien musste im Viertelfinale gegen Belgien antreten und gewann durch ein Tor von Gonzalo Higuain in der 8. Minute. Es war das einzige Tor im Viertelfinale, welches aus dem Spiel heraus fiel. Im letzten Viertelfinale gab es das komplette Programm: Costa Rica gegen Niederlande. Auf dem Papier eine klare Sache, aber Fußball wird auf dem Platz gespielt. Dass das Spiel bis ins Elfmeterschießen ging, hatte Costa Rica seinem besten Spieler, dem Torwart Ospina, zu verdanken. Als es dann absehbar wurde, dass es Elfmeterschießen gab, wärmte sich der zweite Torwart der Niederlande Krul auf, dieser wurde dann noch eingewechselt. Dieser Wechselt lohnte sich, da Krul zwei Elfmeter hielt.

Wir können uns auf zwei Halbfinalspiele freuen. Am Dienstag spielt Brasilien gegen Deutschland um 22:00 Uhr in Belo Horizonte. Und am Mittwoch Niederlande gegen Argentien ebenfalls um 22:00 Uhr in Sao Paulo. Das Spiel um Platz 3 findet dann am 12. Juli um 22:00 Uhr im Estadio Nacional in Brasilia statt. Das Finale steigt am 13. Juli um 21:00 Uhr im Maracanã in Rio de Janeiro.

Bild: Andrea Damm/pixelio.de

677627_original_R_K_B_by_Lupo_pixelio.de

Smoothies – Abnehmwunder oder Unsinn?

Von Sophia Liener

Der neue Diät-Trend ist der Smoothie! Mit diesem Getränk nimmt man schnell und gesund ab. Ist das wahr? Oder einfach nur Marketing? Es handelt sich jedoch dabei nicht um die bekannten Obst-Smoothies, sondern um Gemüse-Smoothies, auch „grüne“ Smoothies genannt. Dieser Trend kommt aus Amerika. Grüne Smoothies sind Powerdrinks aus 33% Obst, 33% Blattgemüse (Salate, Spinat, Blätter, …) und 33% Wasser.

Das Obst verleiht dem Smoothie den angenehm süßen Geschmack und das Blattgrün die Farbe. Grünes Blattgemüse enthält zudem eine enorme Menge an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen, die uns mehr Gesundheit, jugendliches Aussehen und ein längeres Leben bescheren.

Was  aber macht den grünen Smoothie zum Zaubertrank des Abnehmens? Die Antwort lautet grünes Blattgemüse, also zum Beispiel Salate, Spinat, Rucola, Blätter oder Wildkräuter! Diese sind die vitalstoffreichsten Lebensmittel auf diesem Planeten. Gemessen an ihrem Gewicht, enthalten sie sehr viele Vitamine, Mineralstoffe,  und Spurenelemente. Sie sorgen dafür, dass unser Körper einwandfrei funktioniert. Vitamine beispielsweise stärken die Immunabwehr und sind an über 100.000 Stoffwechselprozessen beteiligt.
Mineralstoffe und Spurenelemente sorgen für lebenswichtige Funktionen, sie regulieren den Wasserhaushalt, unterstützen verschiedenste Enzymaktionen, die Muskelerregbarkeit und die Nervenfunktion. Ein Mangel kann zu starken Gesundheitsproblemen führen. Mit einem grünen Smoothie kann man dem entgegenwirken. Durch einen grünen Smoothie, mit ca. 125 – 250g grünem Blattgemüse, nehmen wir zumeist mehr Vitalstoffe auf, als mit allen restlichen Mahlzeiten. Diese Variante ist sehr gesund, jedoch sättigt sie auch. Man ist lebensfroher, fühlt sich frisch, kann besser nachdenken und gleichzeitig nimmt man noch ab. Gelegentlich einen Smoothie als Mittag- oder Abendessen einzunehmen ist nicht problematisch, wenn man jedoch für längere Zeit  keine Mahlzeit mehr zu sich nimmt, kann dies zu einer Magersucht führen!

Die meisten Menschen denken, dass man an Gewicht verliert wenn man viel Obst zu sich nimmt. Irrtum! Mit einem Obst-Smoothie (Himbeere, Banane, Apfel, Erdbeere…) sammelt man eher Fruchtzucker an. Dies ist also keine Möglichkeit abzunehmen. Wenn man dies jedoch will, dann ist ein grüner Smoothie nahezu perfekt.

Praktischerweise sind Smoothies auch wirklich schnell zubereitet. Es dauert nur ungefähr 10 Minuten. Außerdem ein erfrischendes Sommergetränk!

Hier noch ein Rezept als Tipp:
Basis-Rezept für grüne Smoothies:
Ein grüner Smoothie besteht aus 3 Grundzutaten, Obst, Blattgemüse bzw. Blattgrün und Wasser zu je ca. 33%.
• 100-150g Obst (z.B. Äpfel, Bananen, Birnen, usw.)
• 100-150g Blattgrün und Salate (z.B. Kopfsalat, Spinat, Feldsalat, Batavia, Rucola, usw.)
• 100-150ml Wasser, damit sich der Inhalt problemlos mixen lässt

Zu Beginn kann man das Obst etwas höher dosieren, damit der Geschmack süßer wird. Vielleicht ca. 60% Obst und ca. 40% Blattgemüse. Das wären zum Beispiel eine große Banane (150g) und 1 Schälchen Salat zu 100-125g.
Und fertig ist der Smoothie!

Bild: Lupo/Pixelio.de

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Michael Schumacher aus dem Koma erwacht

Von Levin Kolmar.

Kaum erwachte der Formel 1-Star aus dem Koma, klaute ein selbsternannter “Schattenkrieger” seine Krankenakte.

Am Montag, dem 16. Juni 2014 gibt es gute Nachrichten von Schumacher. Seine Managerin Sabine Kehm teilt mit, dass er das CHU in Grenoble verlassen habe um seine Phase der Rehabilitation fortzusetzen. Über seinen körperlichen, sowie seinen geistigen Zustand gibt sie keine näheren Informationen. Gerüchte über seine Verlegung hatte es auch in den Tagen zuvor schon gegeben. Laut der “Bild” soll es Schumacher sogar schon gelungen sein mit den Menschen in seiner Umgebung zu kommunizieren. Seine Verlegung sollte eigentlich dafür sorgen, dass Schumachers Genesung in Ruhe in der Schweiz fortgesetzt werden kann. Doch nur ungefähr eine Woche nach der Nachricht seiner Managerin an die Presse wird bekannt, dass seine Krankenakte aus Grenoble entwendet und mehreren Journalisten für 60.000 Franken (ca. 49 000 €) angeboten wurde, und dies obwohl nur sehr wenige Personen auf die Akte Zugriff gehabt hatten.

Der Dieb der sich in seinen Mails “Kagemusha” (Der Schatten des Kriegers) nennt, muss also entweder Zugang zu der Akte gehabt, oder sie per Hackerangriff erhalten haben, berichtet die örtliche Polizei. Es ist nun denkbar, dass Schumachers Familie juristische Maßnahmen einleitet, was für den Dieb eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bedeuten könnte. Aber das wichtigste für sie ist, dass Schumacher nun in der Reha, die angeblich in der Schweiz stattfinden soll, in Ruhe wieder zu Kräften kommen kann und hoffentlich keine körperlichen oder geistigen Schäden davonträgt.

Bild: S.Hofschlaeger/pixelio.de

Deutschlandflagge by_Andrea Damm_pixelio.de

Deutschland 2014 – Endlich Weltmeister oder nächste Favoritenblamage?

Nun ist die Gruppenphase der WM in Brasilien beendet und es ist schwierig zu sagen auf welchem Niveau sich das DFB-Team befindet. Im Achtelfinale geht es für Deutschland gegen eine der Überraschungen dieser Weltmeisterschaft: Algerien setzte sich in der Gruppe H mit Südkorea, Russland und den als Geheimfavorit geltenden Belgiern, als Gruppenzweiter durch. Ein 4:2 gegen Südkorea und ein 1:1 gegen die Russen reichten zum Weiterkommen.

Ob es für Deutschland tatsächlich zum Titel reichen könnte, darüber gibt es in der Blitz!-Redaktion durchaus verschiedene Meinungen. Von tiefstem Pessimismus bis hohen Hoffnungen ist alles dabei…

Pro von Aaron Wick:

Warum 2014 der Weltmeister Deutschland sein wird.

Ich glaube fest an den Titel für Deutschland. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen, weil es eine Menge Fakten gibt die dafür sprechen, zum anderen weil ich einfach das Gefühl habe, dass Deutschland jetzt “auch mal dran“ ist. Seit der WM 2002 war Deutschland immer unter den besten drei Mannschaften der Welt. 2002 im Finale, 2006 bei der Heim-WM Dritter – ebenso wie 2010. Gibt es irgendeine Mannschaft der das gelungen ist in diesem Zeitraum? Nein, gibt es nicht!

Und nun zu den Fakten:

Das deutsche Team ist ausgewogen wie es schon lange keines mehr war. Selbst eher junge  Spieler wie Götze, Müller, Kroos, oder Schürrle verfügen über große Erfahrung und haben teilweise bereits die Champions-League gewonnen. Die Führungsspieler wie Lahm oder Schweinsteiger erst recht.

Auch die Ergebnisse waren gut: einem furiosen 4:0 gegen die Portugiesen, folgte das sicher nicht schlechte, aber etwas zerfahrene 2:2 gegen Ghana und zum Abschluss der Gruppenphase gab es einen sicheren 1:0 Arbeitssieg gegen stark verteidigende Amerikaner. Ich kann kein wirklich schlechtes Spiel des DFB-Teams erkennen. Angesichts des Favoritensterbens bei dieser WM, kann dies eigentlich kaum ein Top-Team von sich behaupten. Die Niederländer zeigten eine äußerst schwache Partie gegen Australien, die Brasilianer gegen Mexiko, die Franzosen gegen Ecuador, die Argentinier gegen den Iran. Von den ausgeschiedenen Spaniern, Italiener und Engländern mal ganz zu schweigen.

Gerade das Ausscheiden der Spanier und Italiener könnte sich positiv auf einen deutschen Erfolg auswirken, verlor man bei den letzten beiden Welt-und Europameisterschaften doch immer das entscheidende Spiel gegen eines dieser Teams.

Selbst bei längerem Nachdenken fällt mir kein Team ein, dass Deutschland mal eben so besiegen könnte. Das Achtelfinale gegen Algerien ist – ohne Algerien unterschätzen zu wollen – ein doch recht glückliches Los. Im Viertel- und später Halbfinale wären mögliche Gegner erst Frankreich oder Nigeria, dann Chile, Kolumbien, Uruguay, oder Brasilien. Von letzteren einmal abgesehen, alles keine Mannschaften denen ich einen Sieg gegen Deutschland zutraue.

Und all denen, die nach dem 2:2 gegen Ghana schon unkten und ein frühes Aus prognostizierten, sei gesagt dass Deutschland auch in den Jahren 2006 und 2010 immer im zweiten Gruppenspiel seine Probleme hatte. 2010 sogar gegen Serbien 0:1 verlor und danach gegen Ghana nur durch ein knappes 1:0 das Weiterkommen sicherte. Im Anschluss wurden England und Argentinien mit 4:1 und 4:0 vom Platz gefegt. Soviel dazu.

 

Contra von Raphael Dabbert:

Warum die DFB Auswahl auch 2014 nicht Weltmeister wird.

Süd-und Mittelamerikanische Teams haben einen Heimvorteil, der sich vor allem durch die Unterstützung der Fans bemerkbar macht. Zumal Deutschland auch alle bisherigen WM-Titel in Europa gewonnen hat: (1954, Bern, Schweiz) (1974, München, Deutschland) (1990, Rom, Italien) Warum sollte es dieses Mal anders sein?

Dazu ist das System der Deutschen ohne echten Stoßstürmer noch nicht gut eingespielt. Generell spielen sie Handball vor dem gegnerischen Strafraum – jedoch ohne dass Schüsse von außerhalb kommen, auch wenn zum Beispiel ein Toni Kroos die Technik dazu hätte. Bis jetzt besteht die komplette Abwehr aus Innenverteidigern, dies  ist vor allem auf den Flügeln ein Nachteil, da dort meist schnelle bewegliche Verteidiger gebraucht werden. Eine Alternative für die Außenverteidiger wäre Philipp Lahm, der bis jetzt im defensiven Mittelfeld nicht seine besten Spiele ablieferte. Außerdem ist bei Sami Khedira die Zweikampfquote nicht sehr gut für einen Defensivspieler.

Selbst wenn die Deutschen als eines der technisch stärksten Teams bei dieser WM gelten, bis jetzt fehlt der absolute Siegeswillen in den Spielen. Deutschland hat die Gruppe zwar gewonnen, aber nur mit 7 Punkten.  Andere Teams haben ihren Gruppen dominiert – und zwar mit 9 Punkten. Vor allem gegen Ghana sind einige Schwächen aufgefallen.

Um ins Finale zu kommen, müsste Deutschland Algerien besiegen, danach Frankreich oder Nigeria und im Halbfinale dann Kolumbien, Uruguay, Chile oder die Brasilianer. Diese hätten als Gastgeberland wahrscheinlich im Stadion und auf der Welt deutlich mehr Unterstützung als Deutschland. Selbst wenn Deutschland dann dieses Halbfinale gewinnen würde, fände das Finale im berühmten Maracanã in Rio de Janeiro statt, wo Deutschland noch nie ein Spielgewinnen konnte.

Bild: Andrea Damm/pixelio.de

 

 

 

 

687482_original_R_K_by_Marc Holzapfel_pixelio.de

La Décima ist perfekt – Real Madrid gewinnt die Champions-League

Von Aaron Wick.

Oft liegen grenzenloser Jubel und mindestens ebenso große Enttäuschung nur wenige Momente auseinander – so auch am Samstagabend im Estadio da Luz in Lissabon, als Sergio Ramos in der dritten Minute der Nachspielzeit das 1:1 für Real Madrid erzielte. Damit ging das Champions-Leaguefinale zwischen Atlético  und Real Madrid in die Verlängerung. In dieser entschieden dann Gareth Bale (110.), Marcelo  (118.) und schließlich Christiano Ronaldo (120.) per an ihm verursachten Foulelfmeter die Partie mit 4:1 n.V. eindeutig für die Galaktischen, die damit zum zehnten Mal den Thron des europäischen Vereinsfußballs bestiegen.

Den Spielverlauf hätte man sich kaum dramatischer ausmalen können. Atlético Madrid ging in der 36. Spielminute in Führung, nachdem Diego Godin den Ball per Kopf über den zu schnell herausgelaufenen Iker Casillas ins Tor beförderte. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Spiel – von der frühen Auswechselung  von Atléticos Stürmerstar Diego Costa (9.) und einer Großchance für Bale einmal angesehen – recht ereignisarm. Atlético war bissig in den Zweikämpfen und stand hinten sicher, während Real zwar mehr Ballbesitz hatte,  aber recht wenig damit anfangen konnte.

Auch unmittelbar nach der Halbzeit änderte sich im Vergleich zum ersten Durchgang wenig. In der ersten Phase der zweiten Spielhälfte kam auch das von Diego Simeone trainierte Atlético einige Male zumindest ansatzweise gefährlich vor das Tor des Stadtrivalen, während Real kaum Akzente nach vorne setzte. In der 59. Minute wechselte Carlo Ancelotti für Sami Khedira den Spanier Isco und für Fabio Coentrao Marcelo ein. Zwar beides positionsgetreue Wechsel, aber mit jeweils deutlich offensiver ausgerichteten neuen Akteuren im defensiven Mittelfeld und auf der rechten Abwehrseite. Das zeigte Wirkung; Real begann in regelmäßigen Angriffswellen gegen das extrem tiefstehende Atlético anzurennen, was insbesondere in der Schlussphase des Spiels Chancen im Minutentakt für die Königlichen zur Folge hatte. Die letzten zehn Minuten waren dann eine reine Abwehrschlacht: Real griff verzweifelt gegen ein vollkommen erschöpftes Atlético an und wurde durch den exzellenten Kopfball von Sergio Ramos – der bereits gegen die Bayern im Halbfinale auf diese Weise erfolgreich war – in der dritten Minute der Nachspielzeit belohnt.

Die Verlängerung stellte dann eine ziemlich einseitige Angelegenheit dar. Atlético war stehend K.O., während Real in der 110. Minute nach brillantem Dribbling von Angel Di Maria, einer herausragenden Parade von Thibaut Courtois und abschließend einem technisch wunderbaren Kopfball des bis dahin glücklosen Gareth Bale in Führung ging. Als zwei Minuten vor Schluss der Verlängerung Marcelo nach einem Solo das 3:1 erzielte, war das Spiel endgültig entschieden. Reals Superstar Christiano Ronaldo setzte in der 120.Spielminute Reals “Verlängerungsgala“ die Krone auf, als er nach einem klaren Foul an ihm, den fälligen Elfmeter zum 4:1 verwandelte – selbstverständlich anschließendes oberkörperfreies Posing für die Kameras miteingeschlossen. Gerade für Ronaldo dürfte der Triumph der vielleicht größte der Karriere sein. In seinem Heimatland Portugal die CL nach 2008 mit ManU zum zweiten Mal zu gewinnen, und das als amtierender Weltfußballer, ist eine der vielen besonderen Geschichten seiner Laufbahn.

Abschließend muss man anerkennen, dass Real über das ganze Spiel gesehen, die klar bessere Mannschaft war und diesen Triumph somit absolut verdient hat.

Foto: Marc Holzapfel/Pixelio.de

Fritz Kuhn

Fritz Kuhn: Stuttgart ist eine sautolle Stadt! – Oberbürgermeister wirbt darum, auch schon mit 16 wählen zu gehen


Der Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart, Fritz Kuhn, hat uns in sein Rathaus eingeladen. Wir sprechen mit ihm über die Kommunalwahlen am 25. Mai und das Wählen ab 16 Jahren. Dabei verrät er uns, welche Pläne er für Stuttgarts Zukunft hat, wo man ihn manchmal antreffen kann und warum es sich für die Jugend lohnt, wählen zu gehen.

 

Hätten Sie schon mit 16 Jahren wählen wollen?

Kuhn: Auf jeden Fall! Das hätte ich sehr gerne gemacht. In Memmingen im Allgäu, wo ich aufgewachsen bin, hatten wir viele Themen, die junge Leute betroffen haben. Damals hat man noch Jugendhäuser erkämpfen müssen, aber wir durften erst mit 18 Jahren wählen.

 

Wie schätzen Sie denn das Interesse der Jugend an den Kommunalwahlen ein?

Kuhn: Die jungen Leute interessieren sich schon für Politik. Aber sie haben auch die Frage, ob es das bringt. Ich werbe dafür, dass gerade junge Leute, die zum ersten Mal wählen können, eines erkennen: Sich politisch zu engagieren, hat mit ihrer eigenen Zukunft zu tun. Der Anteil der alten Leute in Relation zu den Jungen wird in Zukunft zunehmen. Umso wichtiger ist es, dass die Jungen gehört werden und dass man Sachen, die sie betreffen, auch umsetzt. Das geht natürlich am besten mit ihrem eigenen Engagement. Wer sagt, das interessiert mich alles nicht, der gibt auch ein Pfand aus der Hand, nämlich, dass er handeln kann. Ich schaue selber, dass die Interessen der Jungen berücksichtigt werden. Wir machen z. B. jetzt eine Downhillstrecke, sorgen für Lärmschutz bei der Skaterbahn, damit die künftig mehr genutzt werden kann, verbessern das Bildungssystem, sanieren die Schulen. Wir machen also ganz viele Sachen, die für die Jungen relevant sind.

 

Was war Ihr Traumberuf in Ihrer Kindheit?

Kuhn: Das schwankte einige Jahre zwischen Lokomotivführer und Radprofi. Aber dann habe ich doch Philosophie und Linguistik studiert. Dass ich Politiker werden würde, war da noch nicht abzusehen. So etwas kann man auch nicht planen. Das hat sich mit den Grünen, die ich auch mitgegründet habe, erst ergeben.

 

Darf man mit 18 Jahren schon Bürgermeister werden?

Kuhn: Das geht noch nicht, da muss man 25 Jahre alt sein. Aber man kann schon mit 18 Jahren in den Gemeinderat gewählt werden. Und natürlich zur Wahl gehen.

 

 

Was macht Ihnen am meisten Spaß in Ihrem Amt?

Kuhn: Die Vielfalt! Dass man vom Kanaldeckel aufwärts bis zum Fernsehturm, für Downhillstrecken, für Wohnen, für Verkehr, einfach für alles zuständig ist.

 

Bleibt bei so vielen wichtigen Aufgaben auch noch Zeit für den Haushalt zu Hause?

Kuhn: Das muss man sich erkämpfen. Ich koche z. B. gerne, und da muss ich auch Zeit dafür einplanen. Ich mache viel Sport. Ohne Sport hält man den Termindruck auch nicht durch. Diese Sporttermine muss ich ganz so, als wären es echte Termine, in meinen Kalender eintragen.

 

Viele Schulen in Stuttgart sind in keinem guten Zustand. Bis wann kann man erwarten, dass sich da etwas verbessert?

Kuhn: Wir sind ja kräftig dabei! Man in Stuttgart aber zu lange gewartet, was die Schulsanierung angeht. Deswegen haben wir ja auch ein großes Schulsanierungsprogramm beschlossen. Ich will aber, dass die Gebäude gleichzeitig energieeffizient saniert werden. Da geht es jetzt Schritt für Schritt voran.

 

Setzen Sie sich auch für Nullenergiehäuser ein, also für Häuser, die genauso viel Energie erzeugen, wie sie verbrauchen?

Kuhn: Wir müssen die Energiewende in Stuttgart erst noch machen. Wir müssen vor allem Energie sparen, das ist unsere beste Energiequelle. Wenn man zeigen kann, dass man das mit Nullenergiehäusern erreichen kann, ist das natürlich ein entscheidender Schritt. Denn das ist schon etwas Faszinierendes. Es gibt sogar Energieplushäuser, die also mehr Energie erzeugen, als sie selbst verbrauchen.

 

Was gefällt ihnen an Stuttgart?

Kuhn: Stuttgart ist erst mal eine sautolle Stadt. Allein wenn man mal auf die Karlshöhe, den Bopser oder zur Schillereiche hoch geht und sich Stuttgart von oben anschaut. Eine solche Stadt sieht man selten. Es ist eine kulturell ganz reiche Stadt, von der Jugendkultur, vom Jazz, vom Hip Hop bis zu Ballett, dem Theater und der Oper. Also, man kann hier sehr viel machen.

 

Was ist ihr persönlicher Lieblingsplatz in Stuttgart?

Kuhn: Die Karlshöhe. Da können Sie mich auch gelegentlich am Samstag bei einem Hefeweizen aufs Tal schauend antreffen.

 

Sie waren jahrelang in Berlin Bundesvorsitzender der Grünen und im Bundestag. Was halten Sie von Berlin?

Kuhn: Berlin ist eine sehr spannende Metropole. Leider achten sie dort zu wenig aufs Geld. Die Stadt ist sehr verschuldet und lebt nach dem Motto: „Der Bund wird es schon zahlen“. Für mich war es eine Bereicherung, dort 13 Jahre gelebt zu haben. Aber jetzt bin ich froh, dass ich wieder in Stuttgart bin. Das ist wie eine Heimkehr für mich.

 

Gibt es Charaktereigenschaften der Schwaben, die Ihnen nicht gefallen?

Kuhn: Wir können ein bisschen stolzer sein auf das Tolle, das wir haben. Dieses “Nix gsagt, isch gnuag globt” ist nicht so ganz meins. Wir haben allein 24 Prozent Waldanteil im Stadtgebiet. Da muss man positiv drüber reden, und gleichzeitig muss man offen über die Schwächen sprechen können. Das ist bei uns das ungelöste Verkehrsproblem. Also: sich über das, was gut ist, freuen, und verändern, was man bisher noch nicht angepackt hat.

 

Sind die Schwaben sparsam oder geizig?

Kuhn: Ich sag immer: Wir sparen, um investieren zu können, ohne in die Schulden gehen zu müssen. Das ist das Wichtige, dass man aufs Geld achtet, damit man in etwas Gescheites und Nachhaltiges investieren kann.

 

Was halten Sie davon schwäbisch im Kindergarten zu erlernen?

Kuhn:Das passiert doch sowieso. Man kommt am Schwäbischen ja gar nicht vorbei. Falls doch, kann man einem Kurs an der Volkshochschule machen oder sich 10 Stunden auf YouTube die Welt auf Schwäbisch von Dodokay reinziehen. Danach kann man auch schwäbisch.

 

Was wollen Sie in Stuttgart erreichen?

Kuhn: Stuttgart muss das Verkehrsproblem lösen, weil wir zu viel Stau haben und die Feinstaubbelastung zu hoch ist. Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum, so dass auch normale Leute, die wenig Geld haben, in der Stadt leben können. Meine dritte große Aufgabe ist es, die Mitgestaltung der Stadt durch die Bevölkerung zum Thema zu machen.

 

Was ist Ihre Empfehlung und Ihr Wunsch an die Jugend?

Kuhn: Das Wichtigste ist jetzt, dass man wählen geht. Nur so wird die Perspektive der jungen Leute gestärkt. Dass man Gemeinderatsmitglieder und Parteien wählt, die im Programm und in der Ausstrahlung etwas für die Jugend bieten.

Das Interview führte Jan Elm.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Es geht los! – Spatenstich zum Neubau der MBS

 Von Raphael Dabbert.

Am Freitag, 9.5.2014, wurde an der Michael Bauer Schule der erste Spatenstich zum Neubau durchgeführt. Dabei waren einige prominente Gäste von außerhalb anwesend. Es war die Schulbürgermeisterin Frau Dr. Eisenmann, Frau Wenke-Kittel Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen BaWü und mehrere Vertreter des Bezirksbeirats Stuttgart-Vaihingen da. Die Zeremonie wurde durch die Schüler-Big Band unter der Leitung Achim Kegel musikalisch eigerahmt. Nach mehreren Reden und Glückwünschen für das Projekt fand dann der Spatenstich statt.

Der im November 2012 beschlossene Neubau kostet 3,5 Millionen Euro. Die Kosten für dieses Projekt werden durch Rücklagen der Schule, Baukredite und dem Land getragen. Es bleiben aber dennoch Kosten die zu decken sind, diese werden über verschiedene Fundraisingprojekte und Spenden versucht zu decken. Daher wird weiterhin um Spenden gebeten.

Die Erweiterung soll der Überlastung des jetzigen Sport- und Festsaals entgegenwirken. Nicht nur die Akustik im Raum ist untauglich für Theateraufführungen, die Sicht der Zuschauer in den hinteren Reihen ist ebenfalls sehr schlecht, da die Stuhlreihen nicht ansteigend sind. Im Sportunterricht stört die Bühne gewaltig. Und die vielen Veranstaltungen wie Theaterstücke, Tanzveranstaltungen und Feiern die im Kombinationssaal stattfinden, behindern sich oft gegenseitig.

 Außerdem werden neue Kunsträume entstehen, eine neue Lehrküche und das Hortangebot soll durch neue Räumlichkeiten verbessert werden.

Noch ist eine grüne Wiese mit mehreren Bäumen auf dem Grundstück zu sehen, neben der die Schüler zur S-Bahn gehen und auf deren anderen Seite der Spielplatz ist. Doch im Sommer 2015 soll der Neubau fertig sein. In den nächsten Wochen werden mehrere Maschinen anrollen und den Bau des Neubaus starten.

Der Chefarchitekt Kay von Scholley hat das Gebäude entworfen. Das Gebäude wird zwei Ebenen haben. Diese zwei Stockwerke sind durch die Hanglage in jedem Stockwerk barrierefrei zu erreichen.

Foto: Peter Smola/Pixelio.de

Erinnerungen aus dem KZ – Thomas Gewe besucht die Michael-Bauer-Schule

Von Aaron Wick.

Der Dachsaal der MBS war komplett gefüllt. Selbst die extra nach oben geschleppten Stühle reichten nicht aus. Schüler der Klassen 10a, 9b, 8c und 8b hatten sich versammelt um eine Begegnung der besonderen  Art zu erleben; Thomas Gewe besuchte die Schule. Der inzwischen 85-jährige hat als Jugendlicher verschiedene Konzentrationslager er- und überlebt. Dank der Hilfe von Elisabeth Marquart war es möglich das Thomas Gewe nun schon einige Male vor, und mit Schülern der Michael-Bauer –Schule sprechen konnte.

Thomas Gewe stellte sich zu Beginn der Veranstaltung vor und erzählte eine grobe Zusammenfassung seiner Geschichte. Er war 1929 in einer jüdischen Familie geboren und mit  gerade einmal 13 Jahren nach Auschwitz deportiert worden. Dort rettete ihn die Tatsache dass er schon recht groß war und so zum Arbeitsdienst eigeteilt wurde – anstatt wie die meisten anderen Jugendlichen sofort ermordet zu werden. Später wurde er in das Konzentrationslager Buchenwald verlegt. Im Lauf der Gefangenschaft musste er sämtliche Gräueltaten der Nationalsozialisten am eigenen Leib ertragen. Als Buchenwald befreit wurde, war Gewe 15 Jahre alt und so schwach, dass er nicht aufstehen konnte. So fertigte er noch im KZ  etwa postkartengroße Zeichnungen von alltäglichen Szenen des Lagerlebens an. Diese Bilder zeigen eine grausame, industriell durchorganisierte Welt der Unterdrückung und Menschenverachtung.

Als Thomas Gewe nach der Befreiung aus der Gefangenschaft das erste Mal in seinem Leben bewusst Freiheit wahrnehmen konnte, sah er seinen Vater wieder, der 1939 vor der Judenverfolgung nach England geflohen war. Seine Mutter hatte er zuletzt im Konzentrationslager gesehen. Dort war sie gestorben.

Thomas Gewe lebt seit vielen Jahren in Israel, er schrieb Bücher, drehte Filme und hielt Vorträge. Einen seiner Filme sahen die Schüler der MBS dann auch im Anschluss an Gewes Erzählungen.

In diesem Film erklärt er einem 13- jährigen Jungen – dem Alter mit dem er deportiert wurde – das Leben und Überleben im Konzentrationslager. Durch die Besichtigung des KZ Buchwald im Film wird die Geschichte Gewes in sehr starke Bilder gefasst.

Im Anschluss an diesen sehr eindrucksvollen Film durften Schüler und Lehrer Fragen zu dem Gesehenen, beziehungsweise Gehörtem stellen. Dieses Angebot wurde auch intensiv wahrgenommen. Dabei zeigten die Schüler eine beinahe schon erstaunliche Konzentration und Stille.

Gewe beantwortete viele Fragen der Schüler sehr ausführlich und seine Erzählungen führten immer zu einer gespannten Ruhe im Saal. Die gestellten Fragen waren sehr verschieden, teils waren sie sehr persönlicher Art, oft waren die Schüler oder Lehrer aber auch allgemein am Leben im Konzentrationslager interessiert.

Offensichtlich strahlte Gewe eine solch gelassene Souveränität aus, dass ein Saal voller pubertierender Jugendlicher in absolute Stille verfiel – was wohl sehr selten der Fall ist.

Abschließend kann man wohl sagen, dass der Besuch von Thomas Gewe ein einzigartiges Erlebnis war und jeder Einzelne der ihn hat hören dürfen, äußerst dankbar für diese Chance sein sollte.